Schwedische Forscher haben Wasserproben vor der dänischen Insel Bornholm genommen, um den Methanaustritt der beschädigten Nord-Stream-Leitungen zu messen.
Methangas in der Ostsee: Die Karte zeigt die Zone vor der dänischen Insel Bornholm, in der die wissenschaftliche Expedition die Auswirkungen der Nord-Stream-Lecks untersucht.
Karte: University of Gothenburg

Nord-Stream-Lecks in der Ostsee: hohe Methanwerte

13.10.2022

Das Methangasleck an den Nord-Stream-Leitungen vor den dänischen Insel Bornholm hatte bereits am 26. September Wissenschaftler alarmiert. Keine 48 Stunden später war eine Expedition der Universität Göteborg vor Ort, um Wasserproben zu nehmen. Das Ergebnis der Analysen: eine bis zu 1000-mal höhere Methankonzentration als normalerweise.

Die schwedischen Wissenschaftlerinnen haben an Ort und Stelle bis zu 200 Wasserproben genommen. Um die Ausbreitung des Methans im Wasser zu kartieren, bauten sie 20 verschiedene Messstellen in Abständen von etwa neun bis 18 Kilometern auf. Bei Ihrem Vorhaben wurden sie von Forschern des Alfred-Wegener-Instituts unterstützt, da ihre Kollegen, wie die Leiterin der Expedition Katarina Abrahamsson erläutert, über die Expertise verfügen, „um das Methan aus der Pipeline vom natürlich vorkommenden Methan zu unterscheiden“.

An Board des schwedischen Forschungsschiff RV Skagerak.
Die Meeresbiologin Carina Bunse ihr Kollege Milad Pourdanandeh beim Einholen von Wasserproben.
Foto: Katarina Abrahamsson

Methan ist Hauptbestandteil von Erdgas und treibt neben Kohlendioxid (CO2) den Klimawandel an. Bei der Speicherung von Wärme in der Atmosphäre ist es um ein Vielfaches wirksamer als CO2. Derzeit ist das Methangas noch in Wasser gelöst. Sobald es jedoch die Oberfläche erreicht, wird es gasförmig und wieder an in die Atmosphäre abgegeben.

Giftig für Fische

Nach Aussagen der schwedischen Meeresbiologinnen ist unklar, welche Auswirkungen die hohen Methanwerte auf das Meeresflora und -fauna haben werden. So leben beispielsweise Bakterien im Wasser, die Methangas oxidieren können. Nun untersuchen sie, ob die hohen Methanwerte zu verstärktem Bakterienwachstum in der Umgebung der Lecks führen.

Wie lange die erhöhten Methankonzentrationen in der Ostsee bleiben, hängt von den Strömungen ab – und davon, wie schnell die Löcher in den Pipelines repariert werden. Je länger dies dauert, desto schlimmer für das Leben im Meer: „Wir wissen, dass hohe Konzentrationen von Erdgas giftig für Fische sind. In diesem Fall ist meiner Meinung nach der Ostseedorsch gefährdet. Aber wahrscheinlich sind auch andere Arten betroffen“, meint Thomas Dahlgren.

Der Meeresbiologe an der Universität Göteborg empfiehlt: „Reparieren Sie die Lecks so schnell wie möglich. Aber es scheint ein großes Leck zu sein, was bedeutet, dass es gefährlich ist, sich in der Nähe aufzuhalten. Es besteht die Gefahr von Bränden und Explosionen.“

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