LifeGate veranschaulicht die Verwandtschaftsverhältnisse aller bekannten Tierarten.
Lifegate ist eine interaktive, digitale Karte, die Verwandtschaftsverhältnisse aller bekannten Tierarten visualisiert. Entwickelt und konzipiert wurde sie vom Biologen Martin Freiberg, Wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens der Universität Leipzig. Gestartet als Erklärprojekt für angehende Biologinnen, ist die Onine-Plattform mittlerweile für interessierte Laien zugänglich.
Realisiation: Martin Freiberg/Markus Reichert

Artenvielfalt per Klick: interaktive Karte für Laien

04.11.2022

Wer ist der nächste lebende Verwandte des Elefanten? Auf diese Frage wissen vermutlich nur Zoologen eine Antwort. Nun gibt es Abhilfe: Ab sofort können Interessierte bei Lifegate nachschauen. Die neue, digitale Online-Plattform (deutsch/englisch), zu der Bürger mit ihren Fotospenden beitragen, enthält nicht nur Bilder der Lebewesen. Die Fotos sind so positioniert, dass sie die Verwandtschaftsbeziehungen aller 2,6 Mio. bekannten Tierarten dieses Planeten abbilden. Auch Homo sapiens ist dort zu finden.

Der Respekt gebührt Martin Freiberg, Wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens der Universität Leipzig und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). Seit 2008 beschäftigt er sich mit der verständlichen Darstellung der verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den Lebewesen. Dabei war es ihm ein Anliegen, nicht nur für angehende Biologinnen die Verwandtschaftsgrade zu visualisieren, sondern auch für Laien.

Der Biologe, der auch die Plattform programmiert hat, hat es geschafft, in einer einzigen interaktiven Karte 420.000 Fotos zu hinterlegen, ohne, dass der Anwender von der Zahl der Bilder erschlagen wird. Mit der Vergrößerungsfunktion lässt sich tief in die taxonomische Systematik eintauchen. Zudem kann zwischen den Ebenen „Fotos, Schema, Karten“ gewählt werden.

Alle Arten integriert

Das Neue an Lifegate ist, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen aller Arten gleichzeitig zu erkennen sind. Bislang waren solche Darstellungen auf einzelne Artengruppen beschränkt. Vergrößert man die Ansicht, sieht man Fotos der nächsten Verwandten einer Art. Zoomt man wieder heraus, wird ersichtlich, welcher Gruppe (Taxon) die gesuchte Art angehört, und welchen anderen Gruppen sie nahesteht. Dazu tragen farbige Linien um die Fotos bei. Diese korrespondieren im oberen Bereich der Karte mit einem farbigen Balken, dessen Regler sich automatisch verschiebt, wenn die Anwenderin in der Einteilung Reich > Stamm > Klasse > Ordnung > Familie > Gattung zwischen den taxonomischen Stufen wechselt.

Um die oben aufgeworfene Frage nach den nächsten Verwandten der Rüsseltiere zu beantworten: Elefanten sind im Unterstamm Chordata (Wirbeltiere) zu finden. Zoomt man am entsprechenden Foto in Lifegate hinein, wird an den benachbarten Bildern deutlich: Die engsten, lebenden Verwandten der Elefanten sind die Schliefer. Das sind kaninchengroße Säugetiere, die wie Murmeltiere aussehen.

Weiterentwicklung

Für die Weiterentwicklung seines wissenschaftlichen Erklärprojekts benötigt Martin Freiberg nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch ehrenamtliche Programmierer und Projektmanager. In Zukunft, so seine Vision, soll jeder, der online Informationen über Tieren, Pflanzen oder Bakterien sucht, bei LifeGate starten. Kurz: Die Plattform soll zum digitalen, interaktiven Nachschlagewerk der Artenvielfalt werden.

Videos Lifegate:
1 Einführung (2 min.)
2 Tutorial (4 min.)

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