Nicht wirklich fahrradfreundlich

Nur ausreichend: In Punkto Fahrradfreundlichkeit haben deutsche Städte weiterhin Nachholbedarf.
Foto: etsa
11.05.2023

Welche deutsche Stadt liegt in der Fahrradfreundlichkeit vorne? Der ADFC hat seinen aktuellen Fahrradklimatest präsentiert: Siegerin in der Kategorie Städte mit über 500.000 Einwohnern wurde Bremen gefolgt von Frankfurt und Hannover.

Das Fahrrad als umweltfreundliches, günstiges Verkehrsmittel rückt immer mehr in den Mittelpunkt. Das ist, laut Aussage des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.), auch an den steigenden Teilnehmerzahlen zur ADFC-Umfrage abzulesen, die alle zwei Jahre stattfindet. Beim Fahrradklimatest 2022 wurde unter anderem gefragt, wie sicher sich die Aktiven auf dem Rad fühlen und wie gut die Radwege in deutschen Städten sind.

Rund 245.000 Menschen, aber auch Kommunen haben sich beteiligt. Circa 1100 Städte und Gemeinden kamen in die Wertung. Inzwischen deckt die Studie alle deutschen Orte mit mehr als 50.000 Einwohnern ab. Die Teilnehmerorte repräsentieren laut Angaben des ADFC mehr als 54 Mio. Menschen in Deutschland.

Die ersten fünf Plätze
Bei Großstädten mit mehr als 500.000 Menschen kamen (Rangfolge 1-3) Bremen (Note 3,6), Frankfurt (Note 3,6) und Hannover (3,6) ganz nach vorne. Leipzig (3,8) und München (3,8) belegten Platz 4 und 5

Die drei erstgenannten Städte erhielten Bestnoten bei der Fahrradförderung, Wegweisung und Fahrradmitnahme, aber auch bei der Qualität und Breite der Radwege.

Die ersten drei Plätze bei Städten mit mehr 200.000 Einwohnern: Münster (3,0), Karlsruhe (3,1) und Freiburg (3,1)

Aufholerinnen

Es tut sich etwas in den Metropolen: So haben sich in letzter Zeit Kommunen mit herausragenden Bewertungen für die Fahrradförderung, mit gutem Winterdienst und bei der Werbung für das Radfahren hervorgetan. Hier kann vor allem der Großraum Köln-Bonn punkten:

  • Köln (von 4,4 auf 4,2) (>500.000 EW)

  • Bonn (von 4,2 auf 3,8) (>200.000 EW)

  • Koblenz (von 4,7 auf 4,3) (>100.000 EW)

  • Landshut (von 4,2 auf 3,9) (>50.000 EW)

  • Bad Honnef (von 4,5 auf 3,6) (>20.000 EW)

  • Neuenkirchen (von 3,4 auf 2,9) (<20.000 EW)

Weitere Größenklassen

  • In der Größenklasse 100.000 bis 200.000 Einwohner liegt Erlangen (3,2) vor Göttingen (3,5) und Darmstadt (3,6).

  • Nordhorn (2,8), Bocholt (3,1) und Tübingen (3,1) führen die Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 50.000 bis 100.000 an.

  • In der Klasse 20.000 bis 50.000 Einwohner siegt Baunatal mit der Note 2,5 vor Meckenheim (2,6) und Coesfeld (3,0).

Sonderpreis „Ländlicher Raum“

Über einen Sonderpreis freuten sich die Verantwortlichen in Wettringen. Die Kleinstadt (im Regierungsbezirk Münster) mit rund 8300 Einwohnern punktete in der Klasse bis 20.000 Einwohner und belegte Platz 1 vor Reken (2,4) und Rutesheim (2,5). Bemerkenswert sind die Pro-Kopf-Investitionen für den Radverkehr: Sie liegen nach Angaben des Wettringer Bürgermeisters die Pro-Kopf-Investitionen für den Radverkehr bei 120 EUR pro Jahr.

Weiterhin ausbaufähig sind die Anstrengungen deutscher Kommunen
Wie zufrieden die Teilnehmer der ADFC-Studie mit der Fahhradförderung sind, zeigt obige Grafik in Schulnoten. Grafik: ADFC/April Agentur

Stagnation

Wie sind die Ergebnisse einzuordnen? Nach wie vor ist Deutschland das Land der Dichter, Denker – und Autofahrer. Zwar hat sich die Fahrradförderung in den Metropolen verbessert. Der Gesamtnotendurchschnitt von 3,96 zeigt aber, dass beim Thema Fahrradfreundlichkeit noch viel Luft nach oben ist.

Laut ADFC stagniert das Fahrradklima seit 2020 (Note: 3,93). Ein großes Manko ist beispielsweise die Kontrolle von falschparkenden Autos. In allen Städtegrößenklassen wurde sie in der aktuellen Umfrage mit einer Fünf (mangelhaft) bewertet. Aber auch die Breite der Radwege und die Führung an Baustellen erhielten die gleiche schlechte Note.

Der Sonderpreis „Ländlicher Raum“ lenkt auch den Blick darauf, dass auf dem Land und in Kleinstädten immer noch zu wenig für den Radverkehr getan wird. Dabei ist laut ADFC Potenzial vorhanden: „Innerhalb einer Ortschaft sind die Wege kurz und Platz ist meist auch ausreichend vorhanden – ideal fürs Radfahren.“ Der ÖPNV komme in vielen Orten zu selten, um als eine Alternative zum Auto wahrgenommen zu werden.

 
 

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